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Der Erste Weltkrieg: Die visuelle Geschichte


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Rezension von

Adrian Witt

Der Erste Weltkrieg: Die visuelle Geschichte Als am frühen Morgen des 28. Juni 1914 der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie Chotek auf dem Bahnhof von Sarajevo ankamen, herrschte Frieden in Europa. Doch nur 37 Tage später – als Reaktion auf ihre Ermordung – befand sich Europa erneut im Krieg. Der Konflikt, der in jenem Sommer begann, entwickelte sich rasch zu einem globalen Flächenbrand, der rund 70 Millionen Soldaten aus aller Welt mobilisierte, vier große Reiche zu Fall brachte und rund 20 Millionen Todesopfer sowie 21 Millionen Verwundete zur Folge hatte. Die unermessliche Gräuel des 20. Jahrhunderts in Europa ging aus dieser Katastrophe hervor und es war, wie der amerikanische Historiker Fritz Stern (1926 – 2016) es nannte, „die erste Katastrophe des 20. Jahrhunderts, der Große Krieg, aus der sich alle folgenden Katastrophen ergaben“. Die Diskussion darüber, wie es überhaupt zum Zusammenstoß der europäischen Großmächte im Ersten Weltkrieg kommen konnte, der Millionen Menschen das Leben kostete und die politische Landkarte dauerhaft veränderte, ist nicht neu und wird auch nach über 100 Jahren unter Historikern lebhaft debattiert. Gleiches gilt auch für die Frage, wie es den Alliierten letztendlich gelungen ist, die Oberhand über die Mittelmächte – das Deutsche Reich, die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn sowie das Osmanische Reich (die heutige Türkei) zu gewinnen, sodass diese 1918 um Waffenstillstand ersuchen mussten. Die Antwort auf diese Frage hat – wenn auch nicht ausschließlich – vor allem mit Ressourcen zu tun, die für die Fortführung eines Krieges dieses Ausmaßes essenziell gewesen wären. Während die Alliierten die Seewege des Feindes kontrollieren und blockieren konnten und sich gleichzeitlich über ihre vielen Kolonien mit ausreichend Lebensmitteln und Ressourcen für die Industrie eindecken konnten, haben das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich ihre eigenen Kriegsanstrengungen nur durch Improvisation und Einfallsreichtum bewältigen können, die jedoch im Zuge zunehmender Knappheit die Heimatfront der Mittelmächte zunächst allmählich destabilisierten und am Ende sogar in der Novemberrevolution von 1918 völlig zusammenbrechen ließen. Der Krieg, der einst nur wenige Wochen dauern sollte, wurde zu einem langwierigen Abnutzungskrieg und der Glaube der Militärführung an die entscheidende Schlacht zwischen rivalisierenden Armeen oder Flotten wich unaufhaltsam einem neuen Konzept des totalen Krieges, in der sich unerwartet die gesamte Bevölkerung der verwickelten Länder wiederfanden. Die schicksalhaften Ereignisse jener Zeit und die politische Neugestaltung Europas, die am 28. Juni 1919 mit der Unterzeichnung des Vertrags von Versailles das Ende des „Alten Europa“ besiegelte, ließt das Deutsche Kaiserreich in der Weimarer Republik und das Osmanische Reich in der Republik Türkei aufgehen, während die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn in seine Teilstaaten zerfiel. Doch auch die Zukunft der britischen und französischen Weltreiche war ungewiss, zumal der Krieg nationalistische Gefühle geweckt hatte. So blickte Winston Churchill, der damals Minister für Rüstung war, am 11. November 1918, am Tag des Waffenstillstands, auf die Massen, die in „triumphierenden Chaos“ Whitehall entlangströmten und schloss seine eigene Geschichte des Krieges mit einer düsteren Bemerkung: „Ist das das Ende? Wird es nur ein Kapitel in einer grausamen und sinnlosen Geschichte sein?“ – Und wie wir heute wissen, sollten er und andere, die ähnlich dachten, Recht behalten, da der Große Krieg von 1914 bis 1918 nur das traurige Vorspiel für die Verheerungen sein sollte, die nur eine Generation später Europa abermals ins Chaos stürzten. Um die schnelle Abfolge von Ereignissen jener Zeit besser einordnen zu können und in kompakter Form einer geschichtsinteressierten Leserschaft zur Verfügung zu stellen, ist im Jahr 2014 anlässlich des 100. Jahrestages des Beginns des Ersten Weltkriegs mit der Publikation „Der Erste Weltkrieg – Die visuelle Geschichte“ im Dorling Kindersley Verlag die Erstauflage eines Nachschlagewerk erschienen, in welchem nicht nur der Kriegsverlauf detailliert erfasst wird, sondern in der auch die Vorgeschichte sowie die Nachkriegszeit miteinbezogen ist. Gegliedert in sieben Kapitel, die einen Gesamtumfang von 372 Seiten haben, bietet der informative Bildband des Historikers R. G. Grand eine umfassende Gesamtdarstellung des Krieges, die vom zermürbenden Stellungskrieg im Westen bis zu den Kämpfen im Nahen Osten, in Afrika und Ostasien reichen, wobei auch auf den Alltag der Menschen im Krieg – vom Leben in den Schützengräben und an der Heimatfront – Bezug genommen wird. Chronologisch gegliedert, beginnt jedes der sieben Kapitel „Der unruhige Kontinent“ (1870 bis 1914), „Nicht nur bis Weihnachten“ (1914), „Patt“ (1915), „Jahr der Schlachten“ (1916), „Revolution und Desillusionierung“ (1917), „Sieg und Niederlage“ (1918) sowie „Die Nachkriegszeit“ (1919 bis 1923) mit einem eigenen allgemeinen Überblick über die politische und militärische Situation. Im Folgenden werden wiederum richtungsweisende Ereignisse, einzelne Personen und Begebenheiten detailliert beleuchtet, während die zahlreichen Infokästen auf Ursachen oder Folgen verweisen, wobei die Ereignisse in einen für die Leser leicht zu erfassenden Gesamtzusammenhang gesetzt werden. Die reichhaltige Bebilderung mit über 700 Fotografien, Karten und Illustrationen visualisieren die vermittelten Inhalte und helfen die Frontverläufe und Offensiven nachzuvollziehen. Ergänzt wird dies noch durch eine große Anzahl von Kurzbiografien der wichtigsten Protagonisten des Krieges, Zeitzeugenberichten und Sonderseiten zu Waffen und technischen Entwicklungen. Obwohl sich die Erinnerungskultur der Gegenwart fast ausschließlich auf den Zweiten Weltkrieg und den zwischen 1939 bis 1945 begangenen Gräueltaten konzentriert, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass der Große Krieg von 1914 bis 1918, der erst viel später als Erster Weltkrieg eine neue Bezeichnung erhielt, die eigentliche epochale Zäsur darstellt, die das alte politische Gewebe Europas zerriss und dessen weltweite Auswirkungen noch weit über das Kriegsende hinaus prägend waren. Um die Ursachen für den Zweiten Weltkrieg zu verstehen, ist es daher notwendig, sich zuvor mit dem Ersten Weltkrieg eingehend zu befassen. Die im Dorling Kindersley Verlag erschienene Publikation „Der Erste Weltkrieg – Die visuelle Geschichte“ des Historikers R. G. Grand bietet hierfür eine solide Basis, da in ihr nicht nur der Kriegsverlauf erfasst wird, sondern auch auf die Vorgeschichte und die Nachkriegszeit in textueller und visueller Hinsicht Bezug genommen wird.

Als am frühen Morgen des 28. Juni 1914 der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie Chotek auf dem Bahnhof von Sarajevo ankamen, herrschte Frieden in Europa. Doch nur 37 Tage später – als Reaktion auf ihre Ermordung – befand sich Europa erneut im Krieg. Der Konflikt, der in jenem Sommer begann, entwickelte sich rasch zu einem globalen Flächenbrand, der rund 70 Millionen Soldaten aus aller Welt mobilisierte, vier große Reiche zu Fall brachte und rund 20 Millionen Todesopfer sowie 21 Millionen Verwundete zur Folge hatte.

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Die unermessliche Gräuel des 20. Jahrhunderts in Europa ging aus dieser Katastrophe hervor und es war, wie der amerikanische Historiker Fritz Stern (1926 – 2016) es nannte, „die erste Katastrophe des 20. Jahrhunderts, der Große Krieg, aus der sich alle folgenden Katastrophen ergaben“. Die Diskussion darüber, wie es überhaupt zum Zusammenstoß der europäischen Großmächte im Ersten Weltkrieg kommen konnte, der Millionen Menschen das Leben kostete und die politische Landkarte dauerhaft veränderte, ist nicht neu und wird auch nach über 100 Jahren unter Historikern lebhaft debattiert. Gleiches gilt auch für die Frage, wie es den Alliierten letztendlich gelungen ist, die Oberhand über die Mittelmächte – das Deutsche Reich, die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn sowie das Osmanische Reich (die heutige Türkei) zu gewinnen, sodass diese 1918 um Waffenstillstand ersuchen mussten. Die Antwort auf diese Frage hat – wenn auch nicht ausschließlich – vor allem mit Ressourcen zu tun, die für die Fortführung eines Krieges dieses Ausmaßes essenziell gewesen wären. Während die Alliierten die Seewege des Feindes kontrollieren und blockieren konnten und sich gleichzeitlich über ihre vielen Kolonien mit ausreichend Lebensmitteln und Ressourcen für die Industrie eindecken konnten, haben das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich ihre eigenen Kriegsanstrengungen nur durch Improvisation und Einfallsreichtum bewältigen können, die jedoch im Zuge zunehmender Knappheit die Heimatfront der Mittelmächte zunächst allmählich destabilisierten und am Ende sogar in der Novemberrevolution von 1918 völlig zusammenbrechen ließen.

Der Krieg, der einst nur wenige Wochen dauern sollte, wurde zu einem langwierigen Abnutzungskrieg und der Glaube der Militärführung an die entscheidende Schlacht zwischen rivalisierenden Armeen oder Flotten wich unaufhaltsam einem neuen Konzept des totalen Krieges, in der sich unerwartet die gesamte Bevölkerung der verwickelten Länder wiederfanden. Die schicksalhaften Ereignisse jener Zeit und die politische Neugestaltung Europas, die am 28. Juni 1919 mit der Unterzeichnung des Vertrags von Versailles das Ende des „Alten Europa“ besiegelte, ließt das Deutsche Kaiserreich in der Weimarer Republik und das Osmanische Reich in der Republik Türkei aufgehen, während die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn in seine Teilstaaten zerfiel. Doch auch die Zukunft der britischen und französischen Weltreiche war ungewiss, zumal der Krieg nationalistische Gefühle geweckt hatte. So blickte Winston Churchill, der damals Minister für Rüstung war, am 11. November 1918, am Tag des Waffenstillstands, auf die Massen, die in „triumphierenden Chaos“ Whitehall entlangströmten und schloss seine eigene Geschichte des Krieges mit einer düsteren Bemerkung: „Ist das das Ende? Wird es nur ein Kapitel in einer grausamen und sinnlosen Geschichte sein?“ – Und wie wir heute wissen, sollten er und andere, die ähnlich dachten, Recht behalten, da der Große Krieg von 1914 bis 1918 nur das traurige Vorspiel für die Verheerungen sein sollte, die nur eine Generation später Europa abermals ins Chaos stürzten. Um die schnelle Abfolge von Ereignissen jener Zeit besser einordnen zu können und in kompakter Form einer geschichtsinteressierten Leserschaft zur Verfügung zu stellen, ist im Jahr 2014 anlässlich des 100. Jahrestages des Beginns des Ersten Weltkriegs mit der Publikation „Der Erste Weltkrieg – Die visuelle Geschichte“ im Dorling Kindersley Verlag die Erstauflage eines Nachschlagewerk erschienen, in welchem nicht nur der Kriegsverlauf detailliert erfasst wird, sondern in der auch die Vorgeschichte sowie die Nachkriegszeit miteinbezogen ist. Gegliedert in sieben Kapitel, die einen Gesamtumfang von 372 Seiten haben, bietet der informative Bildband des Historikers R. G. Grand eine umfassende Gesamtdarstellung des Krieges, die vom zermürbenden Stellungskrieg im Westen bis zu den Kämpfen im Nahen Osten, in Afrika und Ostasien reichen, wobei auch auf den Alltag der Menschen im Krieg – vom Leben in den Schützengräben und an der Heimatfront – Bezug genommen wird. Chronologisch gegliedert, beginnt jedes der sieben Kapitel „Der unruhige Kontinent“ (1870 bis 1914), „Nicht nur bis Weihnachten“ (1914), „Patt“ (1915), „Jahr der Schlachten“ (1916), „Revolution und Desillusionierung“ (1917), „Sieg und Niederlage“ (1918) sowie „Die Nachkriegszeit“ (1919 bis 1923) mit einem eigenen allgemeinen Überblick über die politische und militärische Situation. Im Folgenden werden wiederum richtungsweisende Ereignisse, einzelne Personen und Begebenheiten detailliert beleuchtet, während die zahlreichen Infokästen auf Ursachen oder Folgen verweisen, wobei die Ereignisse in einen für die Leser leicht zu erfassenden Gesamtzusammenhang gesetzt werden. Die reichhaltige Bebilderung mit über 700 Fotografien, Karten und Illustrationen visualisieren die vermittelten Inhalte und helfen die Frontverläufe und Offensiven nachzuvollziehen. Ergänzt wird dies noch durch eine große Anzahl von Kurzbiografien der wichtigsten Protagonisten des Krieges, Zeitzeugenberichten und Sonderseiten zu Waffen und technischen Entwicklungen.

Obwohl sich die Erinnerungskultur der Gegenwart fast ausschließlich auf den Zweiten Weltkrieg und den zwischen 1939 bis 1945 begangenen Gräueltaten konzentriert, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass der Große Krieg von 1914 bis 1918, der erst viel später als Erster Weltkrieg eine neue Bezeichnung erhielt, die eigentliche epochale Zäsur darstellt, die das alte politische Gewebe Europas zerriss und dessen weltweite Auswirkungen noch weit über das Kriegsende hinaus prägend waren. Um die Ursachen für den Zweiten Weltkrieg zu verstehen, ist es daher notwendig, sich zuvor mit dem Ersten Weltkrieg eingehend zu befassen. Die im Dorling Kindersley Verlag erschienene Publikation „Der Erste Weltkrieg – Die visuelle Geschichte“ des Historikers R. G. Grand bietet hierfür eine solide Basis, da in ihr nicht nur der Kriegsverlauf erfasst wird, sondern auch auf die Vorgeschichte und die Nachkriegszeit in textueller und visueller Hinsicht Bezug genommen wird.

geschrieben am 22.06.2024 | 939 Wörter | 5725 Zeichen

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